Die Entstehung antibiotikaresistenter Keime, wie den besonders gefährlichen MRSA-Keimen (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) ist besorgniserregend. Nach Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sterben jährlich circa 7 000 Menschen an MRSA-Keimen. Ursachen werden in der sorglosen Verschreibung von Antibiotika in der Humanmedizin gesehen aber auch im übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung.
Gesundheitsaspekte der Massentierhaltung - Recherche und Analyse von Nidla el Jarad, Facharzt für Allgemeinmedizin, Mitglied der Bürgerinitiative, 20. Juni 2010
Auf der Grundlage von 44 Querschnittsstudien, die sich mit chronischer Bronchitis bei Landwirten beschäftigen wurde die Prävalenz der chronischen Bronchitis bei den Landwirten berechnet.
Es zeigte sich, dass die Prävalenz chronischer Bronchitis bei den Tierhaltern mit einem Median von 17 % (Range: 5-39 %) am höchsten lag. Bei Landwirten auf Mischbetrieben lag die Prävalenz chronischer Bronchitis bei 12 % (Range: 4-28 %). Die niedrigste Prävalenz von 10 % (Range: 5-35 %) konnte für die Landwirte im Pflanzenanbau ermittelt werden.
Keime aus Tierfabriken können tödlich sein, weil sie resistent sind gegen Antibiotika (vgl. "Tod im Krankenhaus" im Video zur Sendung ZDF heute-journal vom 18.10.2010)
Grundlagenstudie zur Erhebung der Prävalenz von MRSA in Zuchtschweinebeständen des BfR vom 25. März 2009 Staphylococcus aureus (MRSA) können insbesondere in Krankenhäusern beim Menschen schwere Gesundheitsbeschwerden mit Todesfolge auslösen. In den vergangenen Jahren wurde das Vorkommen eines bestimmten Typs von MRSA bei Nutztieren beschrieben. Zur Abschätzung der Verbreitung (Prävalenz) von MRSA in Beständen von Zuchtschweinen hat die Europäische Union in allen Mitgliedsstaaten eine Grundlagenstudie durchgeführt. Diese Studie war gekoppelt mit einer Untersuchung zur Prävalenz von Salmonellen in diesen Betrieben. Die Erhebungen wurden zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2008 nach einem von der EU vorgegebenen Studiendesign vorgenommen. Sie erfassten in jedem Mitgliedsstaat mindestens 80 % der Zuchtschweine und wurden vor-zugsweise in Betrieben mit mindestens 50 Zuchtschweinen durchgeführt. In jedem Mitgliedsstaat wurden repräsentativ Betriebe für die unterschiedlichen geografischen Gegebenheiten ausgewählt.
Deutschland hat jetzt das Ergebnis seiner Grundlagenstudie zur Erhebung des Vorkommens von MRSA in Zuchtschweinebeständen vorgelegt. Die Probenahme in den Betrieben und die Datenerfassung erfolgten durch die Landesbehörden. Das Bundesinstitut für Risikobewer-tung (BfR) koordinierte die Studie, überwachte die Diagnostik, typisierte die Isolate und er-stellte den Bericht.
Von 201 Beständen wiesen 84 in den untersuchten Staubproben Methicillin-resistente Staphylococcus aureus auf. Die isolierten MRSA gehörten zu 93 % dem bei Nutztieren häufigen Sequenztyp ST398 an.
Bundesinstitut für Risikobewertung hat festgestellt: Menschen können sich über den Kontakt mit Nutztieren mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) infizieren
BfR vom 15. März 2009
Methicillin-resistente S. aureus (MRSA) können beim Menschen und bei vielen Haus- und Heimtieren nachgewiesen werden. Sie besiedeln die Haut und die Schleimhäute, können aber auch zu schwerwiegenden Wund- und Atemwegsinfektionen bis hin zur Blutvergiftung führen. Das besondere Kennzeichen dieser Keime ist ihre Unempfindlichkeit (Resistenz) gegenüber einer großen Gruppe von Antibiotika, zu denen die Penicilline und die Cepha-losporine gehören. Durch diese Resistenz sind Infektionen mit den Keimen nur schwer zu therapieren. Der Name leitet sich von der Testsubstanz Methicillin ab, anhand derer die Re-sistenz der Bakterien in der Vergangenheit festgestellt wurde. MRSA sind in Krankenhäusern seit Jahrzehnten gefürchtete Erreger sogenannter Hospita-lismusinfektionen. Seit den 1990er Jahren wurden MRSA vermehrt aber auch außerhalb von Krankenhäusern nachgewiesen.
In den letzten 3 bis 4 Jahren häufen sich Berichte über das Vorkommen von MRSA auch bei Tieren. Sie treten hier einerseits als Infektionserreger in Tierkliniken auf. Sie wurden ande-rerseits aber auch bei gesunden Nutztieren nachgewiesen. Bei den Nutztieren wurde vor allem ein Typ von MRSA nachgewiesen, der ST398 genannt wird. Dieser Typ wurde auch bei Personen gefunden, die mit Nutztieren Kontakt haben, also bei Landwirten, Tierärzten und Schlachthofmitarbeitern. Die Besiedlung mit dem Keim führte aber nur in wenigen Fällen zur Erkrankung.
Daraufhin wurde die Forschung zu weiteren möglichen Übertragungswegen von MRSA in-tensiviert. Im Folgenden hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wesentliche Expo-sitionspfade für den Menschen betrachtet, d.h. die Möglichkeit sich über den Kontakt mit Nutztieren, über die Umwelt und den Kontakt oder Verzehr mit Lebensmitteln mit MRSA zu infizieren. Der Schwerpunkt dieser Betrachtung liegt dabei auf dem MRSA Typ ST398, da dieser in der Lebensmittelkette, d.h. vom Nutztier bis zum Lebensmittel im Einzelhandel, auch in Deutschland am häufigsten nachgewiesen wurde.
Personen, die beruflich sehr viel mit Nutztieren in Kontakt kommen, sind als Risikogruppe für die Besiedelung und Infektion mit MRSA dieses Typs einzustufen. Eine Übertragung über die Umwelt der Tiere erscheint möglich, da MRSA dieses Typs auch im Stallstaub nachgewie-sen werden können. Jedoch gibt es für diesen Übertragungsweg bisher wenig Belege. MRSA werden auch im Lebensmittel nachgewiesen, vor allem im Fleisch. Allerdings ist die Konzentration der Keime im Lebensmittel gering, und es gibt bisher keine Hinweise auf In-fektionen, die auf den Kontakt mit oder den Verzehr von MRSA belasteten Lebensmitteln hindeuten. Einen zusätzlichen Schutz gegen MRSA-kontaminierte Lebensmittel bieten die Grundregeln der Küchenhygiene (Fleisch gut durchgaren, Kreuzkontamination vermeiden), da der Keim bei Hitze abgetötet wird.
Eine Übertragung von MRSA von beruflich mit Nutztieren befassten Personen auf andere Menschen ist möglich. Die Übertragung von Mensch zu Mensch im Alltag hat aber derzeit eine geringe Bedeutung für die Ausbreitung von MRSA vom Typ ST398. Allerdings ist durch die Häufigkeit der Besiedlung beruflich exponierter Personen ein Eintrag von MRSA ST398 in Einrichtungen des Gesundheitswesens möglich, wenn mit MRSA besiedelte Personen zum Beispiel in ein Krankenhaus eingewiesen werden.